Neulich beim Senioren-Sonntagskaffee

Wer einmal beim Sonntagskaffee gewesen ist, kann bestätigen, dass es hier alles andere als ruhig zugeht. Was ältere Damen – zumal Witwen – sich die Woche über für Gedanken machen, hat mit Gesprächen sehr junger Frauen oft eine erstaunliche Ähnlichkeit.

Es wird viel gelacht und kein Umstand ist zu peinlich, um ihn zum Besten zu geben. Wenn dann noch der Eierlikör aufgetischt wird, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei.

Dann kann auch Pastor Hippes nicht mehr zuhören, ohne gelegentlich rot zu werden. Mann kann sich nämlich in diesem Moment nicht mehr sicher sein, ob Frau Bartschlägers Vorschlag den „alten Knispel“ Schlachter Meierhof den Hintern zu versohlen, weil ihn seine Frau ständig aus Saufeskapaden helfen muss, nicht eventuell ernst gemeint ist. Zwei Personen lachen, der Rest nickt. Ein bisschen wie bei der Mafia.

Dabei fangen die Runden immer so schön unschuldig an. Es wird der Chor gelobt, oder über Alterheime in der Nähe diskutiert. Die Enkel dürfen natürlich nicht fehlen. „Was die alles so machen!“ Ein bisschen Angeberei gehört natürlich dazu. Aber eigentlich sind die Damen kleine Mädchen geblieben, die sich gegenseitig gerne erzählen, was, wer, wann und zu wem gesagt wurde. Als Unbeteiligter sollte man sich da trotzdem lieber raushalten. Nur der Pastor ist davor sicher, am Ende des Tages nicht mit einer der vielen Töchter oder Enkelinnen verkuppelt zu werden. Man muss beim Butterkuchen-Servieren dann unheimlich schnell sein.

Autor: Pfarrer Braun
Datum: Donnerstag, 14. Juli 2011 10:42
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